Warum der PR-Hackathon nichts für Entwickler war…

Letzte Woche war ich beim PR-Hackathon in Frankfurt und ich möchte euch von meinen persönlichen Eindrücken berichten. Es war Donnerstag Nachmittag als ich mich auf den Weg zur Pfaffenwiese 301 machte. Zur großen Überraschung meinerseits fand das Event im Casino der Jahrhunderthalle statt. Eigentlich ist die Jahrhunderthalle für seine Konzerte und Auftritte von verschiedenen Künstlern bekannt, aber es gab anscheinend noch mehr Räumlichkeiten. Das Casino war perfekt für den Hackathon hergerichtet. Es gab sehr viele Arbeitsstationen mit Stromanschlüssen, eine Snackbar, eine Bühne, ein Buffet und sogar Sitzecken. Einfach Cool:-)
Fast pünktlich begann auch die Eröffnungsveranstaltung.

 

Das Ziel eines Hackathons


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Neben der Keynote von Isabelle Sonnenfeld, erzählte Dirk Zeiler was eigentlich ein Hackathon ist und was das Ziel der Veranstaltung sein sollte. Vielleicht habe ich ihm nicht richtig zugehört, aber meiner Meinung nach sagte er, dass das Ziel eines Hackathons, neben Spaß, Kommunikation und Experimente, hauptsächlich die Schaffung eines MVPs (minimum viable product) ist. Also ein Programm/App/Webseite ,was die minimalen funktionalen Anforderungen einer Idee erfüllt und was man WIRKLICH benutzen kann. Wikipedia meint dazu: „…Ziel eines Hackathons ist es, innerhalb der Dauer dieser Veranstaltung gemeinsam nützliche, kreative oder unterhaltsame Softwareprodukte herzustellen…

 

Das Pitchen der Ideen

Nach der Hackathon-Erklärung kam das Wichtigste des Abends das Pitchen der Ideen. Hierbei konnte Jeder, der eine Idee hatte, sie dem Publikum kurz vorstellen. Je nach Reifegrad der Idee, wurde schon grob die Zielgruppe benannt und das Problem, was man mit der zukünftigen App/Webseite/Programm lösen wollte, vorgestellt. Weitergehend haben einige Ideengeber auch schon die Lösung mit einer bestimmten Technologie oder Framework skizziert. Insgesamt gab es an dem Abend 20 Ideen, woraus sich 13 Teams mit 4 bis 13 Leuten gebildet haben.

 

Die Arbeitsphase

Nachdem man sich eine Idee und ein Team gesucht hatte, ging es weiter mit Teamarbeit. Meiner Meinung nach sollte es mit der genauen Bestimmung der Zielgruppe und einem Brainstorming zur Identifizierung der Use-Cases/Funktionen des MVP’s weitergehen. Außerdem sollte eine coole Softwarearchitektur, neueste Technologie, ein gemeinsames Software-Buildverfahren, ein Sourcecode-Verwaltungssystem und noch vieles mehr entwickelt oder konfiguriert werden. ABER HALT STOP!

Wenn es nach den Mentoren ginge, sollte man zuerst x Leute anrufen und fragen, ob Sie das Produkt hinter der Idee kaufen würden. Also mit anderen Worten die Zielgruppe validieren.
Keine schlechte Idee – die Umfrage würde im Idealfall noch weitere Funktionen produzieren ODER (das war bei uns der Fall) das komplette Team verunsichern und die Idee infrage stellen, weil es sich kaum einer in einem 3-minütigen Telefongespräch vorstellen konnte, dass das geht. Hatte man diese Hürde irgendwann genommen, sollte es laut den Mentoren mit dem Geschäftsmodell, Beispiel-Nutzungsszenarien, Beispielkunden, Vertriebswegen, etc. weitergehen. ALLES aber nach der eigentlichen Umsetzung oder der technischen Lösung wurde nie gefragt – irgendwie komisch…

 

Die finalen Pitchs und die Bewertung


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Nach 20 Stunden harter Teamarbeit, war der Hackathon dann auch schon fast vorbei. Die letzte Aufgabe war die finale Präsentation vor einer ausgewählten Jury und das innerhalb von 3 Minuten + 2 Minuten Q&A. Zuvor gab es natürlich noch einmal ein Pitchtraining von den Mentoren, wo indirekt gesagt wurde: „Der Pitch sollte folgenden Aufbau haben:“

  1. Nutzer
  2. Problem
  3. Lösung


Tolle Gliederung, wenn man seine Idee pitchen will. Aber Moment mal, war dieser Pitch nicht schon am Anfang?! Stimmt, ganz am Anfang hatte Jeder seine Idee gepitcht und mehr oder weniger, die Nutzer, das Problem und die Lösung vorgestellt. Ketzerisch würde ich behaupten, dass der geforderte Final-Pitch nur der Ideen-Pitch mit Logo, Appname und Powerpoint-Folien sein sollte.

 

Wi̱·der·spruch zur Definition!


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Also anstatt das Ergebnis, dem MVP in Form von App, Webseite oder Programm, vorzustellen, sollten ALLE TEAMS nur die Idee nochmal in SCHÖN präsentieren. UND das wars:)
Wer tiefer in die Technik einging oder mal eine Spezialfunktion vorführen wollte, hatte entweder ein Zeit- oder ein Technikproblem (zeig mal eine Webseite auf einem uralten 800×600 VGA-Beamer). Aber das war auch nicht schlimm, denn die Jury fordert nichts technisches. Dabei bestand die Jury des PR-Hackathons aus:

  • Björn Sievers Managing Director bei Edelman.ergo GmbH
  • Matthias Wesselmann Vorstand bei fischerAppelt AG
  • Hubertus von Fircks Business Development Manager bei F&H Porter Novelli
  • Klaus-Peter Frahm Leiter Business Development bei news aktuell GmbH
  • Dirk Zeiler CEO von next media accelerator

Ich frage mich, warum bei einem Hackathon nicht nach technischen Details oder habt ihr das MVP geschafft, gefragt wurde?! Warum hat die Jury nicht selbst mal den Prototypen getestet oder die extra reservierte Domain aufgerufen und geschaut ob es überhaupt geht!? Alles nicht passiert. Worauf beruht also die Bewertung der Jury – auf den Gesichtern der Teammitglieder?!

Ich weiß es nicht und es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie ein Chatbot-Konzept(#moodbot) gegen einen RICHTIGEN und funktionsfähigen Chatbot(#Sam_forlessSpam ist der recherchebot Messenger) gewinnen konnte. Anderes Beispiel: PR Pulse (#PRPulse) – eine kanalübergreifende Plattform für PR-Analytics gewann in der Kategorie „Future of Content“ mit einer einfachen HTML-Seite und statischem Inhalt. Dagegen gewann die sofort nutzbare iOS News-App oder der Amazon Alexa Skill nichts. Nach meiner Einschätzung konnte gerade mal ein einziger Gewinner(1 von 4) einen funktionsfähigen Prototypen vorweisen. Aber egal – jetzt ist es eh zu spät. Anderen Personen war ebenfalls ein Ungleichgewicht aufgefallen:

Ich frage mich, warum der ganze Zirkus mit Entwicklern und Hackathon betrieben wurde, wenn man eh nicht die programmierten Ergebnisse bewerten wollte. Kein Wunder das so wenig Entwickler da waren! Meiner Meinung nach war der PR-Hackathon kein Hackathon, sondern ein Präsentiere-dein-Konzept-Wettbewerb. Wenn es im nächsten Jahr wieder ein PR-Hackathon geben sollte, ist jedenfalls ein Entwickler weniger dabei.




2 Antworten : “Warum der PR-Hackathon nichts für Entwickler war…”

  1. Ich finde Deinen Kommentar sehr hilfreich. Als Nicht-Entwickler sähe ich Entwickler sehr gerne bei solchen Veranstaltungen, denn je früher Klarheit über technische Umsetzbarkeit besteht, umso besser.

    • Hey Sascha, ich danke dir für deinen Kommentar:)
      Meiner Meinung nach kann ein guter IT-Mentor auch die Machbarkeit einer Idee gut bewerten/einschätzen (siehe Startup-Weekends). Dafür braucht man aber keine Entwickler. Das coole an Entwickler ist, dass sie die Theorie, die Idee oder das Konzept in die Realität umsetzen können. Und gerade das wurde beim PR-Hackathon nicht honoriert:-(

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