Warum Startup Weekends nichts für Entwickler sind…

startup_weekend_logoLiebe Bloggemeinde,
ich bin kurz wieder da! Eigentlich muss ich an meiner Masterarbeit schreiben, aber ihr wisst ja, wie das mit der Motivation so ist;-)
Heute geht es um das Thema Startup Weekend und warum das nichts für Entwickler, Developer, Programmierer, etc ist. Ausgangspunkt ist mein erstes und leider auch letztes Startup Weekend.

 

1. Problem: die Ideen

Normalerweise bin ich der Erste, wenn es ums Präsentieren, Strukturieren oder Planen geht. Aber letztes Wochenende habe ich mir gesagt: „Ok, jetzt arbeitest du einfach mal mit und hilfst irgendjemanden bei seiner Idee.“ Gesagt getan und mit voller Spannung verfolgte ich die Ideen-Pitches. (Ideen-Pitches sind kurze Präsentationen einer Idee innerhalb von 1-3 Minuten) Und Heureka! Unglaublich, was Andere für Ideen haben. Angefangen vom koreanischen Kosmetik Import, bishin zum eigenen Smoothie mit Chia-Samen, ist da alles dabei und genau das ist das Problem. Wenn man Pech hat, ist keine einzige IT- bzw. Internet-Idee dabei. Ketzerisch würde ich sogar sagen, dass ca. 75% der Startidee nur eine 0-8-15 Homepage und/oder ein Shop-System brauchen. Für Entwickler gibt es kaum Herausforderungen….

 

2. Problem: das Team

Hat man sich dann früher oder später dann doch für ein Team entschieden, geht der soziale Showdown los. Wer hat was zu sagen, wie geht man vor, wem gehört was, usw… Dabei konnte ich beobachten, dass ca. 95% der Ideengeber die Führungsrolle übernehmen. Das ist nicht schlimm, aber aus einer Idee ein funktionierendes Produkt/Dienstleistung/etc. zu machen, ist sau schwer und erfordert eine Menge Skills auf verschiedenen Gebieten. Vorhandene Defizite sollten vom Team oder Mentoren ausgeglichen werden. Jedoch ist die Teamwahl ein reines Glücksspiel und die Skills/Eigenarten/Probleme kommen erst später zum Vorschein. Außerdem kann nicht alles kompensiert werden: Kritikfähigkeit, Selbstreflexion und eine steile Lernkurve sind meiner Meinung nach Grundvoraussetzungen für jedes Teammitglied. Unstrukturierte Teams sind da schnell verloren, da sie sich lautstark streiten (ggf. aufschaukeln), und sich oft in Details verzetteln.

 

3. Problem: Mentoren

Eigentlich bin ich wegen den sogenannten Mentoren zum Startup Weekend gegangen, aber da war ich echt schwer enttäuscht. Man hat nur 48 Stunden Zeit und die muss man wirklich effektiv nutzen. Daher frage ich mich, wie man bitte schön im Jahre 2015 einem Team empfehlen kann: eine Desktop-only-Webapp zu entwickeln?!?!?!?!? Einfachste IT-Fragen werden mit einer Selbstsicherheit so abgrundtief falsch beantwortet.
Das habe ich zuvor noch nie gesehen – Unverständnis^10.

Genauso der Rechtsanwalt, der außer Double-Opt-in und Rechtsform nichts dazu beitragen konnte. Allgemein herrschte ein starker Marketing/Designer-Mentorenüberschuss, der wenig auf Detailfragen antworten konnte. Einen Mehrwert konnte ich da beim besten Willen nicht erkennen.

 

4. Problem: Die Bewertung

Schon in der Begrüßung wurde gepredigt: „Das Ziel des Startup Weekends ist ein MVP – Minimum Viable Product zu erschaffen…“ Also ein funktionierendes Produkt mit den minimalen Anforderungen und Eigenschaften.
Das Problem dabei ist, bei der Bewertung gilt was anders: Präsentation > Inhalt
Bei meinem Startup Weekend war es egal, ob und was du in den Händen gehalten hast. Nur die Präsentation der Idee und das Businessmodell zählten. Die ggf. erbrachte Programmierleistung wird gar nicht gewürdigt, daher empfehle ich jedem Entwickler, Developer oder Programmierer lieber zu einem Hackathon zu gehen, als zu einem Startup Weekend….

 

Copyright © 2016 AxxG – Alexander Gräsel



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